Kein Preisrutsch durch Silver Tsunami: Preise bleiben stabil

Redaktion2 min read07.10.2026, 00:00vor 2 Wochen
Share X LinkedIn
Kein Preisrutsch durch Silver Tsunami: Preise bleiben stabil

Ein flächendeckender Preissturz durch den Silver Tsunami ist nicht belegt: Laut Destatis lagen die Wohnimmobilienpreise im 2. Quartal 2026 um 0,6 Prozent über dem Vorjahr.

Die Furcht vor einem Preisrutsch am deutschen Immobilienmarkt durch den sogenannten Silver Tsunami lässt sich mit den aktuellen Daten nicht stützen. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts lagen die Wohnimmobilienpreise im 2. Quartal 2026 um 0,6 Prozent über dem Vorjahresquartal. Im 1. Quartal 2026 war der Häuserpreisindex um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und um 0,3 Prozent gegenüber dem 4. Quartal 2025 gestiegen.

Für Bestandsimmobilien meldet der Empirica-Index im 2. Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal keine Bewegung bei Ein- und Zweifamilienhäusern (0,0 Prozent) und ein Plus von 0,1 Prozent bei Eigentumswohnungen. Auf Jahressicht legten Bestands-Eigentumswohnungen um 1,5 Prozent zu, Ein- und Zweifamilienhäuser um 0,6 Prozent.

Die These hinter dem Schlagwort

Der Silver Tsunami beschreibt die Annahme, dass mit dem Altern der geburtenstarken Jahrgänge durch Todesfälle, Erbschaften, Pflegeheimumzüge und Verkleinerungen zusätzliche Immobilien auf den Markt kommen. Ein automatischer Preisverfall folgt daraus nicht. Eine Erbschaft schafft keine neue Wohnung und entzieht dem Bestand auch keine: Häufig wechselt nur der Eigentümer. Entscheidend ist, ob in einer Region das zusätzliche Verkaufsangebot die Nachfrage übersteigt.

Die Demografie wirkt zudem über Jahrzehnte. Erbfälle und Haushaltsauflösungen verteilen sich über lange Zeiträume statt auf eine einmalige Verkaufswelle.

Zinsen und Neubau wirken stärker

Laut Empirica dämpfen derzeit vor allem höhere Finanzierungskosten die Preise, während die Neubaukrise das Angebot verknappt und die Preise stützt. Beide Faktoren bestimmen den Markt aktuell stärker als der Generationenwechsel.

Regional zeichnet sich eine wachsende Spreizung ab. In nachfragestarken Städten bleibt Wohnraum knapp. Strukturschwache ländliche Regionen sind anfälliger für längere Vermarktungszeiten und Preisabschläge. Ältere, energetisch schwache Einfamilienhäuser mit hohem Sanierungsbedarf können unabhängig von der Demografie Abschläge hinnehmen müssen; eine belastbare bundesweite Prozentzahl dafür liegt nicht vor.

Rechtlicher Rahmen

Eine gesetzliche Frist, die aus dem demografischen Wandel folgt, gibt es nicht. Bei einem Eigentümerwechsel gilt weiterhin „Kauf bricht nicht Miete“: Der Erwerber tritt in den bestehenden Mietvertrag ein. Eine Eigenbedarfskündigung setzt ein berechtigtes Interesse und die gesetzlichen Fristen voraus. Wer nicht selbst genutzte Immobilien innerhalb der Zehnjahresfrist verkauft, kann ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft auslösen. Für Erben gelten persönliche Freibeträge und Steuerklassen, und die Grundsteuer läuft nach dem Eigentümerwechsel unverändert weiter.

Was heißt das für Vermieter?

Pauschale Notverkäufe sind nach den vorliegenden Zahlen nicht begründet. Maßgeblich sind der Standort mit Bevölkerungsentwicklung, Leerstand und Mietnachfrage sowie der energetische Zustand des Objekts. Bei Ankaufsentscheidungen lohnt eine konservative Kalkulation mit längerer Vermarktungsdauer, niedrigeren Verkaufspreisen und höheren Instandhaltungskosten. Günstige Angebote aus Nachlässen sollten Käufer auf Sanierungs-, Räumungs- und Mietrechtsrisiken prüfen.

Passend zum Thema

Marktwert Ihrer Immobilie berechnen

Jetzt ausprobieren

Passend zum Thema

Rendite Ihrer Kapitalanlage prüfen

Jetzt ausprobieren