Hahn-Report: Investoren kaufen wieder Handelsimmobilien

Redaktion3 min read04.09.2026, 00:00vor 2 Monaten
Share X LinkedIn
Hahn-Report: Investoren kaufen wieder Handelsimmobilien

Laut Hahn-Report 2026/2027 wollen 45 Prozent der Investoren Handelsimmobilien zukaufen – so viele wie seit 2023 nicht mehr.

Die Zurückhaltung am deutschen Handelsimmobilienmarkt der vergangenen zwei Jahre lässt nach: Laut dem Hahn Retail Real Estate Report 2026/2027 planen 45 Prozent der institutionellen Investoren moderate Zukäufe in den kommenden zwölf Monaten, weitere drei Prozent wollen stark zukaufen. Das ist der höchste Wert seit 2023. Im Vorjahr lag die Zukaufbereitschaft noch bei 30 Prozent.

Gleichzeitig sinkt die Verkaufsneigung: Nur noch zwölf Prozent der Befragten denken an einen Verkauf, nach 17 Prozent im Vorjahr. 39 Prozent wollen ihren Bestand halten. Auch die Finanzierungsseite zieht mit: 35 Prozent der befragten Banken und Finanzinstitute wollen ihr Kreditvolumen für Handelsimmobilien steigern, während der Anteil der Institute mit Reduktionsplänen von 33 auf zwölf Prozent gefallen ist.

Fachmarkt- und Nahversorgungszentren im Fokus

Spitzenreiter bei der Nachfrage bleiben Fach- und Lebensmittelmärkte. Laut CBRE-Zahlen im Report flossen im vergangenen Jahr rund 3,1 Milliarden Euro in dieses Segment – 49 Prozent des gesamten Retail-Investmentvolumens. Im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere 824 Millionen Euro hinzu, ein Marktanteil von 44 Prozent. Auf Lebensmittelmärkte entfielen davon 894 Millionen Euro, auf Fachmarktzentren 703 Millionen Euro.

88 Prozent der Anleger nennen Fachmarkt- und Nahversorgungszentren als Investitionsschwerpunkt, 75 Prozent Supermärkte und Lebensmitteldiscounter. Als Gründe führt der Report die Grundversorgungsfunktion, stabile Umsätze, langfristige Mietverträge und bonitätsstarke Mieter an. Zudem trifft der Online-Handel dieses Segment bislang schwächer als etwa Mode oder Elektronik.

Bei den Renditen zeigt sich Stabilität: Die Spitzenrendite für Discounter, Super- und Verbrauchermärkte sowie SB-Warenhäuser lag Anfang 2025 bei 4,6 Prozent, für Fachmarktzentren bei 4,9 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 notierten Fach- und Baumärkte unverändert bei 6,5 beziehungsweise 5,85 Prozent.

Die Risikoeinschätzung der Investoren hat sich verschoben: Die Zinsentwicklung führt mit 70 Prozent die Liste der genannten Risikofaktoren an, nach 53 Prozent im Vorjahr. Es folgen steigende Bau- und Revitalisierungskosten (52 Prozent) und weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen (46 Prozent). Die Konkurrenz durch E-Commerce, im Vorjahr noch größtes Risiko, liegt jetzt bei 44 Prozent. Passend zur vorsichtigen Grundhaltung verfolgen 78 Prozent der Profianleger einen Core-Ansatz, 72 Prozent erwarten bis Ende 2026 stabile Nettoanfangsrenditen.

Erstmals hat die Hahn Gruppe auch das Interesse an anderen europäischen Märkten abgefragt. 27 Prozent der Investoren würden dort unabhängig von der Rendite investieren, 36 Prozent bleiben beim Fokus auf Deutschland. Spanien führt als Zielmarkt mit 71 Prozent vor Frankreich (43 Prozent).

Ein weiteres Thema des Reports ist der wachsende Einsatz von Künstlicher Intelligenz. 88 Prozent der Investoren sehen großes Potenzial im Reporting und in der Dokumentation, 76 Prozent im ESG- und Verbrauchsdatenmanagement. Bei Bewertung und Underwriting sind es dagegen nur 28 Prozent. Der Report wird jährlich von der Hahn Gruppe mit CBRE, Bulwiengesa und dem EHI Retail Institute erstellt.

Was heißt das für Vermieter?

Wer in Fach- oder Nahversorgungszentren investiert ist oder investieren möchte, profitiert aktuell von stabilen Renditen und steigender Nachfrage institutioneller Käufer. Die gelockerte Kreditvergabe der Banken kann auch kleineren Investoren die Finanzierung erleichtern. Gleichzeitig bleibt die Zinsentwicklung der entscheidende Unsicherheitsfaktor, den Vermieter bei Kaufentscheidungen im Blick behalten sollten.