Finanzierung

Zinswende ade: Höhere Finanzierungskosten kehren zurück

Redaktion3 min read13.08.2026, 00:00letzten Monat
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Zinswende ade: Höhere Finanzierungskosten kehren zurück

Der REF-Stimmungsindikator 2026 zeigt: Die Immobilienbranche erwartet wieder steigende Zinsen. Was das für Vermieter und Käufer bedeutet.

Finanzierungskosten im Fokus: Die Stimmung kippt erneut

Die kurze Phase der Entspannung scheint vorbei. Der REF-Stimmungsindikator, der von Feldhoff & Cie. auf den Real Estate Foren Events in ganz Deutschland erhoben wird, zeigt im ersten Halbjahr 2026 eine deutliche Trendwende. Die Immobilienbranche rechnet wieder mit spürbar höheren Finanzierungskosten – und das, nachdem sich viele Marktteilnehmer gerade erst auf ein stabileres Zinsumfeld eingestellt hatten.

Noch im Jahr zuvor hatte sich in der Branche eine Art vorsichtiger Optimismus breitgemacht. Planungssicherheit kehrte langsam zurück, die Erwartungen wurden realistischer – von einem echten Aufschwung war zwar keine Rede, aber die Richtung stimmte. Dieses Bild bekommt nun erste deutliche Risse.


Was der REF-Stimmungsindikator 2026 zeigt

Der Stimmungsindikator wird auf den Real Estate Foren Events in mehreren deutschen Städten erhoben. Die aktuellen Ergebnisse aus Berlin, dem Rhein-Ruhr-Gebiet und Hamburg zeichnen ein einheitliches Bild: Die Erwartungen an einen günstigen Refinanzierungszins sind massiv gesunken.

Im Vorjahr gingen in Berlin und Rhein Ruhr jeweils rund 79 Prozent der Befragten davon aus, dass Refinanzierungszinsen im Bereich zwischen zwei und vier Prozent bleiben würden. In Hamburg lag dieser Anteil sogar bei 85 Prozent. Zinsen zwischen vier und sechs Prozent hielt damals nur eine kleine Minderheit für wahrscheinlich.

Im Jahr 2026 hat sich dieses Verhältnis nahezu umgekehrt:

  • In Berlin rechnen jetzt rund 60 Prozent der Befragten mit einem Refinanzierungszins zwischen vier und sechs Prozent.
  • In Hamburg ist der Anteil ebenso auf 60 Prozent gestiegen.
  • Im Rhein-Ruhr-Gebiet erwarten 55 Prozent der Teilnehmer diesen höheren Zinskorridor.
  • Nur noch zwischen 39 und 44 Prozent der Befragten gehen von günstigeren Zinsen zwischen zwei und vier Prozent aus.

Das ist laut den Veranstaltern die bislang markanteste Verschiebung im diesjährigen Stimmungsindikator – und sie ist deshalb so bemerkenswert, weil der Trend noch Ende 2024 genau in die entgegengesetzte Richtung gezeigt hatte.


Was das für private Vermieter und Käufer bedeutet

Für private Vermieter, die eine Anschlussfinanzierung planen oder ihre Immobilie ausbauen wollen, ist diese Entwicklung unmittelbar relevant. Wer in den kommenden Monaten einen Kredit verlängert oder neu aufnimmt, sollte nicht länger auf sinkende Zinsen spekulieren. Die Erwartungshaltung der Branchenprofis zeigt klar: Der günstige Zinskorridor könnte sich weiter verengen.

Auch Kaufinteressenten müssen ihre Finanzierungsplanung neu justieren. Die Hoffnung, dass die Bauzinsen noch einmal deutlich nachgeben, erscheint vor dem Hintergrund des REF-Stimmungsindikators zunehmend unrealistisch. Wer kaufen möchte, sollte Szenarien mit höheren Finanzierungskosten durchrechnen und seine Tragfähigkeitsgrenze realistisch einschätzen.


Marktunsicherheit wächst – aber nicht nur Defensivreaktionen

Auffällig ist, dass die Stimmungsverschiebung nicht zu einer reinen Schockstarre führt. Trotz der pessimistischeren Zinserwartungen reagieren viele Unternehmen der Immobilienwirtschaft nicht ausschließlich defensiv. Das deutet darauf hin, dass sich die Branche auf ein dauerhaft anspruchsvolleres Zinsumfeld einstellt – und beginnt, Strategien dafür zu entwickeln.

Für private Investoren und Vermieter lässt sich daraus eine wichtige Lehre ableiten: Auch in einem schwierigeren Finanzierungsumfeld gibt es Handlungsmöglichkeiten. Entscheidend ist, frühzeitig zu planen und keine falschen Hoffnungen auf sinkende Zinsen einzupreisen.


Jetzt die Finanzierungsplanung anpassen

Die Botschaft des REF-Stimmungsindikators 2026 ist eindeutig: Zinserwartungen haben sich innerhalb eines Jahres fundamental verschoben. Wer als Vermieter oder Immobilienkäufer auf Kurs bleiben will, sollte seine Finanzierungsplanung jetzt überprüfen.

Konkrete Handlungsempfehlungen für die aktuelle Lage:

  • Anschlussfinanzierungen frühzeitig anstoßen und mehrere Angebote vergleichen
  • Zinsbindung bewusst wählen und längere Laufzeiten prüfen
  • Mietrendite und Cashflow unter Annahme höherer Finanzierungskosten neu kalkulieren
  • Bei Kaufentscheidungen ausreichend Eigenkapitalpuffer einplanen
  • Auf Sondertilgungsrechte im Kreditvertrag achten, um flexibel zu bleiben

Der Immobilienmarkt bleibt ein attraktives Anlagefeld – aber nur für diejenigen, die mit klarem Blick auf die tatsächlichen Finanzierungskosten kalkulieren, statt auf eine Zinswende zu warten, die vorerst ausbleiben dürfte.