Marktanalyse

Wohnungsbau 2026: Ifo meldet 15-Jahres-Tief

Wolfgang Staufer3 min read26.07.2026, 00:00vor 7 Stunden
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Wohnungsbau 2026: Ifo meldet 15-Jahres-Tief

Nur 185.000 neue Wohnungen: Das Ifo-Institut prognostiziert den niedrigsten Neubaustand seit 2011 – mit spürbaren Folgen für Mieter und Vermieter.

Wohnungsbau 2026 erreicht den niedrigsten Stand seit 15 Jahren

Der Wohnungsbau 2026 entwickelt sich zur echten Belastungsprobe für den deutschen Immobilienmarkt. Laut einer aktuellen Prognose des Ifo-Instituts werden in diesem Jahr voraussichtlich nur rund 185.000 neue Wohneinheiten fertiggestellt. Das wäre der niedrigste Wert seit dem Jahr 2011 – und ein deutlicher Rückgang gegenüber den rund 206.600 Wohnungen, die im Vorjahr 2025 abgeschlossen wurden.

Für Vermieter, Kaufinteressenten und Immobilieninvestoren ist diese Zahl ein klares Signal: Der Angebotsengpass auf dem deutschen Wohnungsmarkt verschärft sich weiter, statt sich zu entspannen.


Gründe für den Einbruch beim Wohnungsneubau

Die Münchner Wirtschaftsforscher nennen mehrere Faktoren, die den Neubau bremsen. Bis in den Februar hinein hatte sich die Stimmung in der Branche noch leicht aufgehellt. Seitdem haben sich die Rahmenbedingungen jedoch wieder verschlechtert.

Zu den wesentlichen Ursachen zählen:

  • Gestiegene Baukosten: Die Preise für Bauleistungen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, was viele Projekte unrentabel macht.
  • Geopolitische Unsicherheiten: Der Iran-Krieg belastet die Erwartungen von Projektentwicklern und privaten Bauherren zusätzlich.
  • Anziehende Bauinflation: Erneut steigende Baupreise erschweren die Finanzierbarkeit neuer Wohnprojekte.
  • Längere Bauzeiten: Die Zeitspanne zwischen der Erteilung einer Baugenehmigung und der tatsächlichen Fertigstellung hat sich im Laufe dieses Jahrzehnts um rund ein halbes Jahr verlängert und beträgt mittlerweile etwa 27 Monate.

Diese Kombination aus höheren Kosten, geopolitischen Risiken und strukturellen Verzögerungen macht eine schnelle Trendwende nahezu unmöglich.


Prognose: Wann erholt sich der Markt?

Die Aussichten für eine zügige Erholung sind verhalten. Erst im Jahr 2027 rechnet das Ifo-Institut damit, dass die Fertigstellungszahlen wieder leicht anziehen – auf voraussichtlich rund 195.000 Einheiten. Den Stand von 2025 dürfte der Markt laut den Euroconstruct-Prognosen, zu denen das Ifo-Institut gehört, erst im Jahr 2028 mit etwa 210.000 Fertigstellungen erstmals wieder übertreffen.

Das bedeutet: Für mindestens zwei weitere Jahre bleibt der Wohnungsneubau hinter dem Bedarf zurück. Eine echte Marktentspannung ist in weiter Ferne.


1,4 Millionen fehlende Wohnungen – besonders in Großstädten

Den Hintergrund dieser Entwicklung verdeutlicht eine alarmierende Schätzung: Experten gehen davon aus, dass in Deutschland aktuell rund 1,4 Millionen Wohnungen fehlen. Der Mangel trifft besonders Großstädte hart, wo die Nachfrage das knappe Angebot bei weitem übersteigt.

Wer heute als Vermieter Bestandsimmobilien hält oder als Investor über einen Kauf nachdenkt, trifft auf einen Markt, in dem das Angebot auf Jahre hinaus eng bleiben wird. Das strukturelle Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage stützt langfristig die Preise und die Vermietbarkeit von Bestandswohnungen.


Was tut die Politik gegen den Wohnungsmangel?

Die Bundesregierung hat eine Reihe von Gegenmaßnahmen angekündigt. Unter dem Stichwort „Bauturbo" sollen Kommunen künftig schneller nachverdichten, bestehende Gebäude aufstocken, erweitern und umnutzen dürfen. Darüber hinaus sollen Rekordmittel in den sozialen Wohnungsbau fließen, und Baustandards sollen gezielt gesenkt werden, um Projekte wieder wirtschaftlicher zu machen.

Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Rückstand aufzuholen, bleibt fraglich. Die langen Vorlaufzeiten im Baubereich bedeuten, dass selbst heute beschlossene Erleichterungen erst in einigen Jahren auf den Fertigstellungszahlen sichtbar werden.


Was bedeutet das für Vermieter und Kaufinteressenten?

Für Vermieter ist die Ifo-Prognose in erster Linie eine Bestätigung: Wer Bestandsimmobilien besitzt, profitiert von einem Markt, der auf absehbare Zeit kein ausreichendes Neubauvolumen produziert. Die Nachfrage nach Mietwohnungen bleibt hoch, insbesondere in urbanen Lagen.

Für Kaufinteressenten unterstreicht die Prognose, dass der erhoffte Preisrückgang durch ein wachsendes Angebot ausbleibt. Der Angebotsengpass dürfte Preiskorrekturen nach unten strukturell begrenzen.

Kurzum: Der deutsche Wohnungsmarkt bleibt ein Vermietermarkt – und das voraussichtlich weit über 2026 hinaus.